Die ägyptische Mau

(Die "Urahnin" Falbkatze)

 

Das ägyptische Getreide nennt sich Kamut. Diese Getreideart erwies sich im fruchtbaren Nilschlamm nach der Aussaat am ergiebigsten. Nach jeder Überschwemmung mussten die staatlichen Beamten des Pharao die Felder der Bauern jedes Mal neu vermessen, da der Nilschlamm alle alten Grenzsteine zudeckte. Dann wurde das Land neu eingeteilt und die Abgaben festgelegt. Allein schon der Beamtenapparat des Pharao dafür war groß. Dazu kam das stehende Heer und die Arbeiter, die gerade im Auftrag des Pharao einen Tempel errichteten. Sie waren quasi Staatsangestellte.

Alle im Dienste des Pharao stehenden Staatsangestellten wurden nun vom Pharao durch monatliche Deputatzahlungen in Form von Getreide entlohnt. Zur Lagerung dieses Getreides ließ der Pharao überall Vorratshäuser und Silos für das Getreide errichten. Mit der Getreidelagerung kamen aber auch die ersten Schmarotzer, die sich ebenfalls an dem kostbaren Getreide gütlich taten. Es waren die Mäuse. Deshalb waren die Ägypter froh, dass ihnen ein Tier zu Hilfe kam.

Die erste Katzenart, die sich schon vor 4 500 Jahren bei den ägyptischen Kornsilos herumtrieb und das kostbare Kamut vor den Nagern schützte, war die nubische Schleichkatze oder Genette (Genetta genette), eine Katze mit geringeltem Schwanz, grauem Fell mit rötlichen Tupfen. Durch Kreuzungen mit anderen Katzenarten hatte sich 500 Jahre später eine erste echt ägyptische Katze entwickelt. Es war die Falbkatze. Sie glich einer Siam getigert oder getupft mit rötlich/gelbem Fell.

Die Ägypter nannten sie einfach Mau. Eine äußerst wachsame Katze, anhänglich, schnell und Kinderlieb. Mau beschützte das himmlische Korn von Sonnengott Ra vor den grauen Mäusen der Nacht. Mau unterstützte auch Ra bei seinem nächtlichen Kampf gegen die Aprophisschlange.

Bastet war eine Mondgöttin und der Mond galt als Auge von Sonnengott Ra bei Nacht. Das Kultzentrum von Bastet war Bubastis. Mit der Zeit wurde die Göttin Bastet einfach umfunktioniert als Katzengöttin und im Bastet-Tempel von Bubastis gab es jedes Jahr ein Katzen-Frühlings-Fest.
 
 
 

Mit den Jahren wurde jede Mau in Ägypten heilig und zu fast jeder ägyptischen Familie gehörte sie wie ein liebes Familienmitglied. Sie beschützte die Hausfrauen. Starb eine Familienkatze, dann wurde getrauert und der Haushaltsvorstand rasierte sich zum Zeichen der Trauer die Augenbrauen ab. Viele ließen ihre Katze danach auch mumifizieren und sie erhielt ein feierliches Begräbnis.

Für Katzenmörder galt die Todesstrafe. Der römische Historiker Diodorus schildert einen Fall, wie ein römischer Soldat mit seinem Streitwagen eine Mau überfuhr und wie die wütende Menge ihn dann vom Streitwagen riss und lynchte. 

Nach dem zweiten Weltkrieg war Mau fast ausgestorben. Dann kam die russische Gräfin und Katzenliebhaberin Nathalie Troubetskoj nach Rom und sah dort die Katzen des ägyptischen Botschafters. Sie war fasziniert und erbettelte zwei Junge, die sie mit in die USA nahm als sie auswanderte. Dort vermehrte sich die ägyptische Katze Mau wieder.
Die mumifizierten Katzen wurden auf einem gesonderten Friedhof in Bubastis beerdigt, der direkt am Tempel der Bastet liegt.
In manchen ägyptischen Ausstellungen kann man auch heute noch Katzenmumien anschauen.
 
 
 
23.01.2010 00:24:53
 
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