Ein Tag voller Angst

Jessy wollte wie jeden Morgen um halb fünf raus. Ich habe sie rausgelassen, ihr wie jeden Morgen noch einen Gruß mit auf den Weg gegeben. "Pass gut auf dich auf!" Dann entließ ich sie in den, noch dunklen Morgen und anders als sonst legte ich mich noch mal hin. Hatte ja schließlich frei und musste nicht schon um kurz vor sechs los.
Um halb neun bin ich aufgestanden und hab schon mal geschaut ob Jessy wieder rein wolle. Normal war sie immer nur zwei bis drei Stunden fort. Doch sie war noch nicht da.
Habe mich vor dem Frühstück um meine Pflanzen gekümmert und hab sie Winterfest gemacht, dabei war ich draußen und hab immer wieder nach Jessy Ausschau gehalten.
Im Hinterkopf immer wieder der Satz einer Kollegin. "Mein Dicker ist verschwunden und im Tierhim sagten sie das ich schon die Siebte sei die ihre Katze sucht!" Was das Bedeutet ist mir nur zu bewusst. Ist es doch nicht das erstemal das so etwas geschied. Das Wort das allen Katzenbesitzern und Katzenfreunden Angst macht und für schlaflose Nächte sorgt lautet - Catnapper!
Und so wie es aussieht sind sie wieder unterwegs. Fangen Katzen ein um sie wer weiß wohin zubringen. Im Moment sind sie in Celle unterwegs und der Weg bis hierher ist nicht weit.
Die Angst frisst sich in mein Herz und ich schaue immer wieder auf, in der Hoffnung gleich meine Süße um die Hecken streichen zu sehen.
Ich tröste mich mit dem Gedanken das sie ja schon mal draußen bleiben musste, als ich zur Arbeit fuhr und sie von ihrem Streifzug noch nicht zurück war. Hoffte auf den Mittag. Der Mittag kam und ging doch Jessy war noch nicht wieder da.
Ich suchte mir Tätigkeiten, die mich draußen beschäftigten. Somit ging es den Quittenbüschen vor den Häusern an den Kragen. Pflückte die Früchte ab und merkte die Kälte in meinen Händen genauso wenig wie die Risse und Splitter mit denen die Dornen meine Hände verletzten.
Als ich die Quitten dann zu meiner Oma fuhr, damit sie Marmelade daraus kochen konnte, hoffte ich das Jessy wieder da sei wenn ich zurück käme.
Doch sie war nicht da.
Es wurde Abend und es zog mich wieder raus. Ich streifte duch die Straßen und freien Flächen in der Nachbarschaft und rief immer wieder nach Jessy. Immer mit den leisen und lockenden Lauten und lauschte auf das bekannte Miauen. Erwartete das sie jeden Moment aus einem Busch hervorkäme um mir um die Beine zu streichen. Mein Kopf schmerzte immer mehr duch die Anstrengung irgendeinen Laut oder Hinweis zu entdecken.
Immer wieder der Satz der Kollegin im Kopf, immer wieder die Angst die mir das Herz zusammenschnürt.
Rief immer wieder nach ihr. Meine Gedanken waren wie gelähmt. Kreisten immer nur um Jessy und um das was ihr durch die Catnapper geschehen könnte. Die Gewissheit das diese hier niemals ungestört opperieren konnten, da sie unweigerlich auffallen würden und nie so Anonuem handeln konnten wie in der Stadt, half mir wenig.
Es wurde Dunkel, dann halb zehn. Ich war schon den Tränen nah. Sicher eine Katze die Freigang hatte, konnte mal den ganzen Tag weg sein und der Kater meiner Oma schaffte sogar locker sechunddreißig Stunden. Doch mit der Angst der Catnapper im Nacken, bleibt wohl kaum einer ruhig.
Kurz vor Zehn gehe ich noch mal zur Tür. Und da, kaum das sie einen Spalt geöffnet war, sauste ein bekannter Schatten an mir vorbei in die Wohnung. - Jessy war zurück!
Sie war pudelnass, doch ich knuddelte sie ab, was sie mit ihrem leisen und schmeichelnden Miauen beantwortete. Sofort bekam sie von mir ihr Lieblingsfressen, was sie unter lautem Schmatzen und sichtbarer Gier hinunterschlang. War sie doch am Morgen ohne Frühstück raus.
Danach kam sie ins Wohnzimmer und holte sich ihre Streicheleinheiten ab.
Sie war so müde.
 
Und nun, am Morgen danach, wo ich hier sitze und das Erlebte aufschreibe, liegt sie nach einer ausgiebigen Kuschelstunde neben mir in der Sonne, die durch das Terassenfenster fällt und zeigt noch keine Lust raus zugehen. Und anders als die Tage davor, wollte sie auch nicht um halb fünf raus. Sie blieb und ließ mich sogar bis halb zehn schlafen.
 
Nun sitze ich hier. Meine Hände schmerzen von den Splittern und Rissen und sind geschwollen. Gegen den Kopfschmerz hab ich schon was eingenommen. Die Ruhe ist wieder eingekehrt, doch die Angst und Sorge werde ich nicht vergesen und doch werde ich meiner Katze den Freigang ermöglichen wenn sie ihn einfordert. Da wir hier vor den Catnappern ziehmlich sicher sind vorallem am Tag. Die Nachbarskatzen streunen schon draußen herum und geniesen den Tag. Kann sie durchs Fenster beobachten.
 
Ich denke an die Katzenbesitzer die nun in ihren Wohnungen sitzen und nicht wissen wo ihr Liebling ist. Mein Mitgefühl ist bei ihnen, da ich diese Angst und Ungewissheit kenne und doch das Glück habe das meine Kleine wieder gekommen ist.
 
 
 
18.10.2009 15:38:42
 
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