Kapitel 6

 

Mit langen Sprüngen flogen sie dahin. Der schwarze Hengst gab alles was in ihm steckte und sein Reiter hatte sich in die Steigbügel gestellt. Mit nach vorn geneigtem Körper versuchte er es seinem treuen Tier, so leicht wie möglich zu machen.
Doch schien es vergebens. Die ledernen Schwingen hörend, spürte er wie sie sich näherten. Seit er den Eryn Vorn verlassen hatte, waren sie da gewesen.
Der geflügelte Tod. Die Bestien des Rambaglan. Rovailglamoga. Bei den Menschen Gargoyels genannt. Ein Gefühl der Angst breitete sich in seinem Herzen aus. Ein Gefühl, das er niemals zugeben würde. Er war ein Duvion. Ein Meister der Klinge, ein Turarusse. Angst war etwas, das er sich nicht leisten konnte und durfte. Angst zeugte von Schwäche! Er war nicht schwach!
Da erspähte er einen dunklen Streifen am Horizont. Er war fast am Ziel!
Weit über den schweißnassen Hals des Hengstes gebeugt, feuerte er ihn noch einmal zur Höchstleistung an. „Lagora, Galvorn! Lim! Revio, Galvorn, revio!“
Die schwarzen Ohren zuckten. Den Hals streckend, beschleunigte der Schwarze und schien nun wirklich zu fliegen. Der Trommelwirbel seiner harten Hufe vereinte sich mit dem Murmeln seines Reiters. Dieser versuchte mit Hilfe von Magie seinem Hengst zu helfen und gab diesem mehr Kraft und eine Schnelligkeit, die selbst für ein Laurroch ungewöhnlich war.
Langsam vergrößerten sie ihren Vorsprung, ließen die geflügelten Bestien zurück.
Den Waldrand des Eryn Coldrin immer im Blick, sandte der Duvion ein Stoßgebet an seinen Gott. Den Gott des Blutes, Balanyar.
Da begann der Hengst zu stolpern. Seine Sprünge wurden kürzer, sein Atem lauter. Selbst mit Magie konnte ein Laurroch nicht unbegrenzt rennen. Nach Hunderten von Meilen, war er ausgepowert und am Ende seiner Kräfte. 
Sein Reiter spürte, dass sein treuer Freund am Ende war. Die seltenen Pausen, die er ihm nur gönnen konnte, waren zu kurz gewesen um seine Kräfte zu erneuern. Doch der Waldrand war schon zum greifen nah. Nur noch etwa zehn Meilen entfernt. Doch war es das wert, seinem Hengst dies noch anzutun? Ihn zugrunde zu reiten? Nein! Einen Entschluss fassend, zügelte er den Hengst etwas. Die Sprünge verkürzten sich, die Bewegungen wurden weicher. Doch als spüre der Hengst die Absicht seines Reiters, schüttelte er unwillig den Kopf und legte sich auf den Zügel. Leise klang ihm die Stimme seines Reiters in den Ohren und wiederwillig fügte er sich den Worten. „Baw, Galvorn! Senda!“
Galvorn behielt seine Geschwindigkeit bei. Jedoch zuckten seine Ohren nervös, als er spürte, wie ihm der geflügelte Tod wieder näher kam.
Sein Reiter zog die Füße aus den Bügeln und schwang sich hoch. Auf dem Rücken des Hengstes stehend, zog er seine Waffen aus den Rückenscheiden und stieß sich ab. Mit einem Rückwärtssalto katapultierte er sich von seinem Pferd fort und landete breitbeinig vor der heran fliegenden Brut. Die graue Kapuze seines Umhangs zurück schiebend, entblößte er das Gesicht eines Elben.
Das silbergrauer Haar viel ihm offen bis zu den Schultern und nur zwei Strähnen an den Schläfen, so wie seine hochgeschwungenen Augenbrauen waren schwarz. Die stahlgrauen Augen, fixierten den Feind. „Lim, Galvorn! Noro, noro!“ Seinen Hengst zur Flucht treibend, begann er die mächtigen Klingen aus Elbenstahl zu wirbeln.
Das Gesicht eine steinerne Maske, begann er den Tanz des Todes. Mit jedem Hieb bot er Balanyar Opfer dar. Binnen kurzer Zeit, war die Erde vom schwarzen Blut der Bestien durchtränkt. Ganz im Rausch des Tanzes gefangen, spürte er nur, wie sich seine Muskeln spannten, wie sich sein Körper im Takt der Klingen drehte. Sie wurden eins. Die Klingen waren ein Teil von ihm.       
 
 
 
Als Odion die Gargoyels bemerkte, trieb er Voan zur Höchstgeschwindigkeit an. Der mächtige Hengst, strafte seiner Masse Lüge und donnerte über die Ebene. Odions Blut kochte. Waren dort doch die verhassten Bestien, die seiner kleinen Xenja alles genommen hatten. Seine Axt ziehend, stieß er einen Kriegsschrei aus, der weit über die Ebene hallte und sich mit dem donnern der Hufe vereinte.
Als er näher kam bemerkte er, dass die Gargoyels jemanden jagten. Das schwarze Pferd war unglaublich schnell, aber konnte es seinen Verfolgern nicht entkommen.
Voan weiter antreibend beobachtete er entsetzt, wie sich der Reiter vom Pferd katapultierte, um sich den Bestien zu stellen. Einer gegen dreißig mordgieriger Bestien, die sicher wieder mit schwarzer Magie durchtränkt waren. Das war ein Ungleichgewicht, das Odion nicht hinnehmen wollte. Das konnte nicht gut gehen. Selbst der Lumhadar hätte hier seine Schwierigkeiten und der war sehr gut. Doch was er dann zu sehen bekam, verschlug ihm die Sprache. Es schien fast so, als würde der Mann zu einer einzigen Waffe werden. Seine Bewegungen erfolgten so schnell, das Odion ihnen kaum zu folgen vermochte. Dieser Kerl wirbelte durch die Reihen der Bestien, als seien sie nur ein Haufen Herbstlaub im Wind.
Da sah Odion wie sich die Gargoyels daran machten den Mann auszutricksen. Dieser war inzwischen schon langsamer geworden und reagierte nicht mehr ganz so schnell. Wobei sie ihn nun auch von allen Seiten gleichzeitig attackierten. Ohne Rücksicht auf sich selbst, stießen sie kreischen auf ihn hinab.
Zischend flog Odions Beil durch die Luft. Ein hässliches quatschen ertönte, als es sich in die stinkende Haut eines Gargoyels fraß. Von Voan abspringend, warf er sich ins Getümmel. Seine mächtige Kriegsaxt zog singend ihre Spuren durch die Leiber der überrumpelten Bestien. Sich zu dem Mann im grauen Umhang durchkämpfend, fand er sich auf einmal, Rücken an Rücken mit ihm wieder.
Wenn der Fremde erstaunt über diese unerwartete Hilfe war, dann zeigte er es jedenfalls nicht. Ohne auch nur das geringste Zögern, mähte er weiter eine blutige Schneise durch die Reihen der Bestien. Als sie den letzten, kreischend in die Unterwelt befördert hatten, standen sie sich schwer atmend gegenüber. Erst jetzt bemerkte Odion die spitzen Ohren und die schlanke Gestalt des Fremden. Dieser musterte Odion kühl und wischte die Klingen seiner Waffen sauber. Odion konnte sich einen anerkennenden Pfiff nicht verkneifen, als er dies genauer betrachtete. Die Klingen wirkten wie eine Mischung aus Schwert, Sense und Axt und waren so filigran gearbeitet, dass er von ihrer tödlichen Schönheit wie gebannt war.
Das silberblaue Metall konnte nur der unsagbar feste und doch so leichte Elbenstahl sein. Die Griffe waren aus dem schwarzen Holz der Steineiche gefertigt und zeigten an ihrem Ende Windungen auf, die darauf schließen ließen, dass sie zu einer einzigen tödlichen Waffe zusammen gefügt werden konnten.
Der Elb selbst trug schwarze Hosen aus dem sehr leichten Leder der Grenzläufer. Diese Tiere waren entfernt mit den Löwen verwandt und hatten ein Leder, das durch kaum eine Waffe verletzt werden konnte. Die Dunkelbraunen Stiefel reichten bis zu den Knien und waren in den Spitzen leicht nach oben gewölbt. Das lederne Wams aus dunkelblauem Leder, wirkte zusammen mit dem grauen Mantel wie ein Abbild des Nachthimmels. An den Unterarmen trug der Elb Schoner aus, mit Gold verziertem, Elbenstahl. Um die Oberarme wanden sich kunstvoll geschmiedete goldene Spangen.
Einen Elb wie diesen hatte Odion noch nie gesehen. Vor allem wo er immer geglaubt hatte das es bei den Elben keine schwarzhaarigen gab.
Schnaubend kam der schwarze Hengst zu seinem Herrn zurück. Der Schweiß war am Hals und den Innenseiten der Beine zu weißem Schaum geworden. Auf zitternden Beinen stand er da und schob seinen Kopf Trostsuchend unter den rechten Arm des Elben. Dieser kraulte die schwarze Stirn und ließ seine Hände über den Körper des Hengstes gleiten. Sorgsam untersuchte er, ob sein treuer Freund Verletzungen davon getragen hatte. Leise murmelnd ging er um den Schwarzen herum. „Senda, Galvorn! Daro dinen.“
Bei diesen Worten horchte Odion auf. Suchend flog sein Blick über den Wams und den Umhang des Elben. Bis er auf einer Brosche hängen blieb, die an der linken Seite des Umhangs, in Höhe der Schulter, befestigt war.
Ein silberner Mond mit rubinroten Tränen. Der Blutende Mond. Ithil Eru!
Erinnerungen spülten hoch. Er sah sie wider vor sich. Die dunklen Elbenkrieger und ihre kalten Augen, die auf ihm ruhten. Ihm dem kleinen Jungen, von zehn Jahren. Er erinnerte sich an die Broschen die im Mondlicht funkelten. Und er erinnerte sich an den Tag, an dem er das erste Mal mit Melco am Lagerfeuer gesessen hatte. Damals hatte ihm der junge Zauberer, die Brosche gezeigt, die er von den Wesen erhalten hatte, die er als seine Familie ansah. Die Brosche des blutenden Mondes! Es war dieser Moment in dem Melco den Namen Schattenkrieger, Lumhadar erhielt.
 Ithil Eru! Das Zeichen der Dunkelelben!
Odions Hand verkrampfte sich unbewusst um den Stiel seiner Axt, als er sich etwas von dem Elb entfernte. Seine Abscheu, kämpfte mit dem Wissen, um welchen der Duvion es sich hier handelte. Gepresst kamen ihm die Worte über die Lippen. „Arkan Serce!“
Überrascht sah der Elb zu Odion auf. Die rechte Augenbraue rutschte nach oben, als er den Barbaren musterte. „Ye! Und wer seit Ihr, der Ihr meinen Namen kennt?“
Deutlich konnte Arkan den Kampf sehen, den der Barbar mit sich ausfocht. Ja, das Ende des großen Krieges lag nun schon zwölf Jahre zurück, aber das Leid von zwanzig Jahren konnte nicht so schnell vergessen werden. Schon gar nicht von so kurzlebigen Wesen wie die Menschen. Mögen sie nun Barbaren sein oder nicht.
Als der Barbar antwortete, war deutlich seine Anspannung zu hören. „Ich bin Odion, Sohn des Terkas. Und wenn ich den Namen eures Hengstes richtig verstanden habe seit ihr der Blutsbruder von Melco Vandara, auch Avathar oder Lumhadar genannt!“
Nichts deutete darauf hin, ob diese Eröffnung den Elben überraschte oder nicht. Im Gegenteil, er begann seinem Hengst das schwere Gepäck abzunehmen und es auf Voan festzuschnallen, was dieser verdutzt über sich ergehen ließ. Odion verfolgte dies mit gemischten Gefühlen. „Sagt, was glaubt Ihr, das Ihr da tut?“ Arkan, verhielt in der Bewegung und bedachte Odion mit einem Blick, der diesen innerlich erschauern ließ. „Nun, Galvorn ist zu geschwächt um mein Gepäck, geschweige den mich selbst zu tragen, ohne das er bleibenden Schaden davon tragen würde. Somit werdet Ihr mich auf eurem Hengst mitnehmen. Dieser scheint mir dieser Aufgabe gewachsen zu sein!“
Odion, blieb, aufgrund dieser dreisten Mitteilung im ersten Moment die Worte im Hals stecken. Doch kaum hatte er sich gefangen, polterte er los. „Nichts werde ich tun. Wieso sollte ich!“
Gelassen verschränkte Arkan die Arme vor der Brust. „Weil wir das gleiche Ziel haben und Galvorn nur dann mit halten kann, wenn er so wenig wie möglich trägt!“
Odion war noch immer nicht überzeugt. Auch wenn dieser Elb Melcos Blutsbruder und bester Freund war, wiederstrebte es ihm zutiefst mit diesem Dunkelelb zu reiten. Hervorragender Kämpfer hin oder her, das war in diesem Fall egal.
„Ihr könnt auch langsam zum Eryn Coldrin reiten. Oder lauft meinetwegen hinter her. Der Wald wird schon noch da sein wenn Ihr ankommt und Melco auch!“
„Seit Ihr euch da sicher?“ Die Stimme des Elben nahm einen fragenden aber auch kalten, düstern Klang an. Der Odion fröstel ließ und ihm die Farbe aus dem Gesicht trieb, als der Elb weiter sprach. „Eine dunkle Macht greift aus Dor Gwann nach all denen, die dunklen, bösen Herzens sind. Sie treibt sie in die Länder des Lichts, um Tod und Finsternis zu verbreiten und Melco ist der Schlüssel.
Ihn will diese dunkle Kraft. Sie will ihn gefangen nehmen und auf ihrer Seite ziehen, um so ganz Jandara in ewige Verdammnis zu führen!“
Odions Geist bäumte sich noch einmal gegen diese vernichtende Nachricht auf. „Melco ist der stärkste Zauberer den ich kenne. Er verfügt über einen mächtigen Geist. Ihn krempelt man nicht einfach um!“
Arkan legte seinen Kopf leicht schräg. Die Augen blitzten. „Ai, und was war das in Ivornasse? Doch im Grunde ist es auch egal. Denn das Böse wird Melco kriegen. Wenn nicht lebend und willig, dann als tote Marionette. Ohne Geist und Willen. Auf ewig den Qualen der Unterwelt, Nunambar, ausgeliefert!“
Entschlossen sprang Odion in den Sattel. Die Hand dem Elben hinstreckend, donnerte er. „Nur über meine Leiche! Worauf wartest du, Elb. Das ich dich trage?“
Geschmeidig schwang sich Arkan auf den mächtigen Rücken des Hravana, ohne der ausgestreckten Hand des Barbaren auch nur eines Blickes zu würdigen.
Mit Galvorn im Schlepp, jagten die beiden dem Eryn Coldrin und dem jungen Zauberer entgegen, den sie mit ihrem Leben verteidigen würden.
 
 
Melco hielt es kaum noch im Schatten der Steineiche aus. Alles in ihm zog ihn fort. Fort zu dieser Frau, die seine Seele gefangen hielt ohne etwas davon zu ahnen.
Er sah, wie sie zusammen mit Xenja zu den Tieren ging. Beobachtete wie sich diese unter ihren sanften Berührungen entspannten und selbst Telpfaire verhielt sich in ihrer Gegenwart wie ein Fohlen.
Vier Jahre zurückgehend rief er Erinnerungen hervor, an den Tag an dem er diesen Hengst das erste Mal gesehen hatte.
Melco trainierte mit Arkan. Beide wirbelten um den anderen und um sich selbst. Mit fliegenden Klingen, forderten sie den anderen heraus. Wer sie sah, verfolgte diesen schönen und gleichzeitig so tödlichen Tanz gebannt und keinem der Dunkelelben wäre es in den Sinn gekommen, das Arkans Gegner keiner von ihnen war.
Sie beschleunigten ihr Tempo, die Klingen wurden zu einem einzigen silbernen Schatten. Plötzlich sprang Arkan zurück und steckte seine Waffen weg. Ein kaltes Lächeln umspielte seine Lippen, als er Melco mit einem stahlharten Blick bedachte.
„Nasenn od gin yar, naira od gin coth. Na brun brinpa in gin gur!”
Bei diesen Worten fasste sich Melco an den linken Arm. Als er die Hand fortzog, war die Handfläche rot von Blut. Ja, Arkan hatte Recht. - Zuviel von deinem Blut, zu wenig von deinem Feind. Auf Dauer bedeutet das deinen Tod. - Ja er hatte Recht! Wie jedesmal, wenn er ihn erwischte. Und doch ärgerte Melco sich dieses mal über seine Schlappe nicht. Gelassen hob er sein Schwert. An seiner Schneide lief ein rotes Rinnsal hinunter und färbte den Stahl dunkel. Hell hallte seine Stimme in den dunklen Kronen des Waldes wieder. „Abal im men yuyo gur, Arkan!“ Die Blätter des Eryn Vorn, trugen die Worte wispernd von Baum zu Baum. Die Dunkelelben horchten auf, als sie die Worte hörten und das Blut an der Klinge sahen. „Dann sind wir beide tot, Arkan!“ Der Halbelb hatte es geschafft. Er hatte seine Ausbildung beendet.

 

Arkan blickte ungläubig von der erhobenen Klinge zu seinem linken Arm. Langsam quoll aus einem langen Schnitt Blut hervor. Ein teuflisches Grinsen breitet sich über sein Gesicht aus, als er zu Melco trat. Mit festem Griff packte er mit der rechten Hand zu und zog Melcos verletzten Arm zu sich heran. Seine Wunde gegen die des Halbelb drückend, hielt er ihn fest. Dabei trafen seine stahlgrauen Augen auf die Braunen seines Freundes. Fest und feierlich klangen seine Worte. „Nin yar! Nin mellon! Nin toron! “ Melcos Augen weiteten sich und mit freudigem Herzen packte er mit seine rechte Hand ebenfalls zu und wiederholte die Worte, die ihn nun auf ewig mit diesem Elb verbinden würde. „Mein Blut! Mein Freund! Mein Bruder!“
Kaum waren ihre Worte verhallt, da brach ein Tumult aus, der seines gleichen suchte. Alle Duvion, griffen nach ihren Waffen und stimmten einen vielstimmigen Sprechgesang an. Dabei schlugen sie ihre Klingen gegeneinander, so dass eine schaurige Begleitmusik entstand. „Torin in ithil eru! Turarusse! Dagnir in gwann!“
Während Melco die Brosche des blutenden Mondes an der Schulter befestigt wurde, hallte der Chor durch den Wald und setzte sich im Wind fort. Weit bis ins Dor Ind hinaus. Dort erschauerten die Tiere und die wenigen Bauern flüchteten in ihre Häuser, um zu packen. Nichts würde sie noch länger in der Nähe des Eryn Vorn halten. Verstanden sie zwar die Worte nicht, so doch ihre düstere Bedeutung. „Brüder des blutigen Mondes! Meister der Klinge! Bringer des Todes!“
Am Abend, nach den Feierlichkeiten, zu Ehren des neuen Bruders, führte Arkan den jungen Zauberer zu den Pferchen. In ihnen standen die schönsten Laurrochs der Dunkelelben und begrüßten die Ankömmlinge mit lautem Schnauben. Ein schwarzer Hengst löste sich aus der Gruppe und trabte auf den Zaun zu. Den schönen Kopf vorstreckend, stieß er Arkan freundschaftlich gegen die Brust. Der Elb begrüßte den Hengst und kraulte ihm die Stirn. „Aiya, Galvorn!“
Melcos Blick glitt über den muskulösen Leib. Die lange Mähne, reichte dem mächtigen Hengst, bis weit über die Schultern und war so schwer, dass der Mähnenkamm leicht schwankte. Der Schweif reichte fast bis zum Boden und war so dick wie der Oberarm eines Barbaren. Doch der seidige Glanz, des nachtschwarzen Fells, machte deutlich warum er den Namen Schwarzglanz trug. „Dies ist dein Hengst, Arkan?! Doch geritten bist du immer einen Goldfuchs! Ging es Galvorn nicht gut?“
Arkans Blick ruhte wohlwollend auf seinem Freund. „Elo! Dieser Halbelb führt nicht nur eine schnelle Klinge, er hat auch einen scharfen Geist!“ Dem Hengst über den seidigen Hals streichend, ging sein Blick in die Ferne. „Yen, Galvorn hatte sich bei der Jagd nach einem Glanora, einem Grenzläufer, schwer verletzt. Er musste sich erst erholen. Solange habe ich Mallanvorn geritten. Er ist auch ein sehr starker Hengst und sehr klug. Er soll dir gehören, wenn du willst!“
Von dieser Eröffnung etwas überrannt, trat Melco ein paar Schritte vom Zaun zurück. Ein Laurroch? Noch nie hat es eine Zeit gegeben in der ein Mensch, ein Laurroch zum Gefährten erhalten hatte. Egal ob Halbelb oder nicht. Was dies für eine Ehre war, wusste er und fühlte sich unsicher, ob er dieses kostbare Geschenk annehmen durfte. Da viel sein Blick auf einen kleineren Pferch mit Stangen, die gut sechs Fuß in die Höhe reichten. In diesem Pferch stand ein Hengst, der Melcos Blick gefangen hielt.
Das majestätische Tier war etwas schlanker, als Galvorn und doch schien er mehr Kraft zu besitzen als dieser. Die stahlharten Muskeln zeichneten sich unter dem grauen Fell deutlich ab. Die Mischung aus weiß und dunkelgrauen Tupfen, die fast als eine große Fläche schienen, war unbeschreiblich. Im Mondlicht wirkte der Hengst dadurch, als sei er aus Silber gegossen. Die schwarze Mähne reichte ihm fast bis zu den Knien. Der lange Schweif berührte den Boden. Unter dem langen Schopf blitzten kluge Augen hervor, die den jungen Zauberer nicht mehr aus ihrem Blick entließen.
Behutsam setzte Melco seine Schritte, als er sich dem Tier näherte. Arkan bemerkte dies und schüttelte missbilligend den Kopf. „Baw! Dieser Hengst ist nichts für dich. Er ist das unberechenbarste Geschöpf, das ich kenne. Und er ist noch gefährlicher als ein Geschöpf der Nunambar. Schon viele Duvion haben versucht diesen Hengst zu zähmen. Geblendet von seiner Kraft und Schönheit, brachte er ihnen nur den Tod.“
Melcos Kopf zuckte leicht in Arkans Richtung, dabei behielt er aber den Hengst immer im Blick. „Er hat alle getötet? Wieso? Was hat ihn so werden lassen? Kein Pferd ist von Natur aus gefährlich.“ Dicht vor den Pfählen blieb Melco stehen. Der Hengst schlug wiederwillig mit dem Schweif und warf seinen Kopf hoch. Herausfordernd schlugen seine Hufe die Erde.
„Er wurde als junges Fohlen zusammen mit seiner Mutter von der übrigen Herde getrennt, als sie von Gargoyels angegriffen wurden. Die Stute verteidigte ihr Fohlen bis zum Schluss und wurde doch von den Bestien zerrissen. Als wir dazu kamen konnten wir nur noch das Fohlen retten. Er hatte sich gesträubt und wollte nicht von der Stute fort, die zwar noch lebte, aber zu schwer verletzt war um zu überleben.
Seit dem versuchte er immer uns aus dem Weg zu gehen und so wenig Kontakt wie möglich zu uns zu haben. Je älter er wurde, desto schwieriger wurde es mit ihm. Nur Ergwana, einer jungen Kriegerin der Duvion, fand sein Vertrauen und es gelang ihr, ihm Sattel und Zaum an zu legen.
Bei einem Überfall der Gargoyels und Orks, kam Ergwana ums Leben. Seitdem attackiert der Hengst jeden, der sich ihm nährt.“
Als Arkan verstummte, war es Melco als höre er in seinem Inneren ein Echo. Ein Echo, das aus seiner Kindheit hervorbrach um auf den Hengst zu treffen. Vorsichtig streckte er seine rechte Hand aus. „Du, bist nicht bösartig, sondern verängstigt und deine Seele wurde schwer verletzt. Ich kenne deinen Schmerz, ich teile ihn!“ Mit jedem seiner Worte gab er seine Gefühle, Erinnerungen mit und schickte sie dem Hengst, der in seinem kleinen Pferch tobte.
Immer dichter schob sich Melco an den Hengst heran, bis er fast gegen die Pfähle stieß. Die Finger berührten das weiche schwarze Maul. Der heiße Atem des Hengstes strich über seine Haut. Und plötzlich war ihm, als könne er die Gedanken des Tieres hören. Er spürte den fragenden und verunsicherten Geist des Laurroch, als sei er seiner. Es war als würden sie Eins werden. Zu allem bereit sandte Melco ihm beruhigende und tröstende Gedanken, aber auch Gedanken die Rache versprachen und um Freundschaft baten. Als der Hengst seinen Kopf an Melcos Hand rieb, sandte er dem Zauberer nur einen Gedanken. Seinen Namen. Telpfaire.
Später konnte kein Duvion erklären wie es kam, das der graue Hengst es zuließ das der Halbelb auf ihm ritt und diesem sogar bereitwillig folgte, selbst wenn er keine Zügel trug. Nur Arkan, der den Beginn dieser Freundschaft miterlebt hatte begriff was dort geschehen war. Doch behielt er es für sich. Duvion, tratschten nicht!
Seit diesem Tag war Melco in der Achtung der Duvion gestiegen.
 
Ein Krachen und Poltern riss Melco aus seinen Erinnerungen. Sich vom Stamm der Steineiche abstoßend, suchte sein Blick den Waldrand ab.
Er bemerkte erstaunt, das sowohl Xenja, als auch Serina nicht mehr auf der Wiese waren. Nur die Hengste und das Mallanara standen witternd da, die Augen auf den Wald gerichtet. Ithildae sprang an Melcos Seite. Sein Fell sträubte sich leicht.
Da brach aus dem Unterholz ein mächtiges schwarzes Hravana hervor. In seinem Schlepp ein sichtlich erschöpfter schwarzer Hengst, der von Telpfaire sofort freudig begrüßt wurde.
Torkelnd kam Galvorn zum stehen, um sich dann mit einem Ächzen ins Gras fallen zu lassen. Voan stemmte seine Beine in den Boden. Schlitternd hielt er kurz vor Melco an. Odion, brummte etwas von Elben und ihre Abkürzungen und rutschte aus dem Sattel. Als Melco den Elb erkannte, erhellte sich sein Gesicht. Arkan sprang von Voans Rücken, und kam geschmeidig auf dem Boden auf. Was Odion wieder zu gehässigen Bemerkungen, von Elben und Katzen verleitete.
Die Unterarme des Anderen mit den Händen umfassend, standen sich Duvion und Zauberer gegenüber. 
„Nin mellon!“ Die kalte und rauchig klingende Stimme des Elben, entlockte Melco ein leises Lächeln, als er ihm antwortete. „Nin toron!“
Von dem Tumult aufgeschreckt erschien Nataniel im Eingang der Feste. „Ich habe eure Ankunft schon erwartet. Kommt folgt mir. Wir haben viel zu besprechen. Das Schicksal Jandaras hängt davon ab.“ Sich wieder umwendend, hielt er noch mal kurz inne. „Ai, Arkan! Du brauchst dich um Galvorn nicht zu sorgen. Er wird sehr gut versorgt werden! Auch Voan ist in guten Händen.“ Ohne auf eine Reaktion zu warten, verschwand der Erzzauberer.
Keiner der Freunde warf noch mal einen Blick auf die Wiese, als sie dem Alten folgten. In der Gewissheit dass der Erzzauberer immer das hielt was er versprach, machten sie sich keine Gedanken. Somit bemerkten sie auch nicht, wie Serina zu Galvorn eilte und wie kurz darauf ein sanftes Leuchten über dem Hengst erschien.
 
 

 „Die Nachrichten die ihr bringt sind Besorgniserregend. Leider werden sie von den Zauberern und den Kobolden bestätigt. Die Feen beginnen sich tief in ihre Wälder zurück zuziehen und verschließen ihre Verstecke mit magischen Wällen. Die Waldelben ziehen sich nach Dor Menel zurück. Alles spricht von der drohenden schwarzen Macht, die sich in die freien Länder ausbreitet.“ Besorgt strich sich Nataniel durch seinen Bart. Die Hand um seinen Stab, verkrampfte sich leicht.

Sein Blick glitt über die Männer, denen er eine große Bürde auferlegen musste.

Odion stand an der Wand neben der Tür und hatte sich auf seine Kriegsaxt gestützt.

Arkan stand im Schatten. Die Arme vor der Brust verschränkt, der Blick hart und kalt. Die Gefühle die Nathaniel erfüllten, wenn er den Dunkelelb ansah, waren gemischter Natur. Zum einen war da das Wissen über die Bedeutung der Mornedhel, der Dunkelelben, im großen Krieg. Das Wissen über das Blutbad was sie angerichtet hatten und die daraus resultierende Vorsicht und das Unbehagen, konnte er nicht ignorieren. Doch war da auch die Bedeutung die die Duvion, wie sie sich selbst nannten, für Melco hatten. Bei ihnen hatte er Anerkennung gefunden. War aus seinem Schneckenhaus heraus gekommen und war zu einem starken und gefestigten Krieger geworden. Einer Persönlichkeit, die zusammen mit dem Wissen der Zauberer und der Liebe seiner Mutter, zu einer Macht gelangt war, die ihres Gleichen suchte.
Er wusste das Arkan für Melco nicht nur ein Freund war. Er war schon wie ein Bruder. Sein engster Vertrauter, wenn man von Telpfaire einmal absah.
Melco saß auf dem alten Pult an der Wand und hatte sich zurück gelehnt. Das Wissen darüber, wann er diesem zu groß geratenen Kind, diese Marotte abgewöhnen konnte, würde Nataniel einigen Ärger ersparen. Da Melco meist achtlos die Gegenstände beiseite schob, die eigentlich dort standen.
Ithildae hatte sich zu Melcos Füßen ausgestreckt und beobachtet alles aufmerksam.
Sich an den Dunkelelb wendend, ließ sich Nathaniel schwer auf seinen Ohrensessel fallen. „Arkan, wie sieht es an der Grenze aus, hält der Ramba Ingole noch?“
Aus dem Schatten kam die Antwort. Düster und beängstigend. „Ye, noch hält er. Doch durch den Rambaglan kommen immer mehr der dunklen Brut, ins Dor Glan und in den Eryn Vorn. Die Duvion zogen sich bereits in die Mitte des Waldes zurück und versperrten den Zugang mit Bannzaubern. Doch werden die, in Anbetracht der Menge an Kreaturen, nicht ewig halten.“
Diese Nachricht traf Nathaniel wie ein Schock. Die mächtigen Duvion, die nichts und niemanden zu fürchten schienen, hatten Angst! Sicher, Arkan hatte dies mit keinem Wort erwähnt. Ein Duvion würde es niemals tun und doch erkannte der Zauberer es in jeder gesprochenen Silbe. „Ve? Wie gelangen sie hindurch, wenn der Ramba Ingole nichts an seiner magischen Kraft verloren hat?“ Nathaniels Augen weiteten sich als er die Antwort auf seine eigene Frage erkannte. „Die alten Stollen! Die Stollen der Dunkelzwerge. Dem verlorenen Stamm. Natürlich! Irgendwer muss sie für die Brut geöffnet haben.“
„Das waren die Trolle! Diese stinkenden Berge aus Fleisch und Stein! Nicht viel im Hirn, aber dafür reicht’s!“ Die brummige Stimme hallte plötzlich von den Wänden wieder und als sie sich der Stimme zuwandten, sahen sie eine dunkle Gestalt im Türrahmen stehen. 
Ins Licht tretend, stand er vor ihnen. Ein Mitglied der singenden Äxte. Ein Zwerg.
Die schwarze Rüstung aus Eisenbeschlagenem Leder, war mit goldenen Beschlägen verziert, die im Licht der Fackeln funkelten. Unter dem ebenfalls schwarzen Helm, blitzten zwei braune Augen unter buschigen Brauen hervor. Die Augen und die große, etwas knollige Nase waren alles was man von seinem Gesicht sehen konnte. Da der Rest unter einem rotbraunen, dichten Bart verschwand. Dieser fiel weit bis auf die Brust herab. Der dichte Oberlippenbart war zu zwei dicken Zöpfen geflochten, die sich beim Sprechen leicht auf und ab bewegten. Auf seinem Rücken trug er eine doppelschneidige Kriegsaxt, deren eine Klinge einem Schnabel ähnelte.
„Elno! Aiya, ingemada!“ Melco war vom Pult gesprungen, wobei er Ithildae verscheuchte und trat lächelnd auf den Zwerg zu.
Brummend, versuchte sich Elno dem Zugriff des jungen Zauberers zu entziehen. „Ingemada? Du sollst mich nicht immer altes Väterchen nennen. Da komm ich mir ja uralt vor.“ Doch das Funkeln seiner Augen, zeigte deutlich, das ihm dieser Kosename durchaus gefiel. Hatte er doch diesen Möchtegern Zauberer schon die Windeln gewechselt und ihm die erste Waffe geschmiedet. Seine jetzige Ausrüstung stammte ja auch von ihm. Von den kleinen Dingen abgesehen, die Melco von den Duvion erhalten hatte. Ein Umstand, der Elno noch immer knurren ließ.
Elnos Blick strich durch den Raum. Odions Anblick entlockte ihm ein anerkennendes grunzen, während die Anwesenheit des Duvion, ein verärgertes Blitzen der Augen bewirkte. Doch als sein Blick auf Ithildae traf, der mit erhobener Rute vor ihm stand, riss er vor Erstaunen die Augen auf. Das Tier genauer musternd, strich er sich nachdenklich über den Bart. Einen Elbenwolf hatte er nun schon seit hundert Jahren nicht mehr gesehen.
Nathaniel erhob sich und nickte dem Zwerg grüßend zu. „Aiya, alter Freund! Es ist schon einige Zeit her!“
„Ai! Doch hat mich dieser verzogene Zauberer, erst vor kurzem in den Orod Ang, Eisen Berge, besucht. Seit der Zeit ist einiges geschehen, wie ich hören musste. Die
Mor Ninlith, die schwarzen Sümpfe, brodeln. In der Lad Him, der kalten Ebene, tauchen immer mehr Goblins auf. Und die Eisdrachen ziehen sich in die Orod Helce, Eisberge, zurück. Alles Leben scheint den Atem anzuhalten und die Geschöpfe des Bösen scheinen irgendetwas zu suchen.“ Die Augen des Zwergs hielten Nathaniels fest. „Was geht da vor, Helcefang!“ Der Erzzauberer, nickte nachdenklich mit dem Kopf. Innerlich über den Namen schmunzelnd, den er bei den Zwergen hatte. Eisbart. „Ye, die momentanen Entwicklungen, scheinen ein gefährliches Maß anzunehmen. Deshalb werde ich euch nach Dor Menel entsenden!“
Die Köpfe aller Anwesenden ruckten und schenkten dem alten Zauberer, ihre volle Aufmerksamkeit. Melco sprach die Frage aus, die in allen Augen zu sehen war. „Ins Land des Himmels? Wieso ausgerechnet zu den Hochelben. Was erhoffst du dort zu erfahren?“
Nathaniel wendete sich ab um zu einem kleinen Tisch zu treten. Dort stand auf einem silbernen Sockel eine Glaskugel. Gehalten von den sich windenden Leibern zweier Seedrachen, erstrahlte sie, als die knorrige Hand des Alten darüber glitt. In ihrem Inneren formte sich das Bild einer Hochelbin mit silberweißem Haar. Auf ihrem Kopf trug sie eine schwarz silberne Krone. „Dies ist Vana. Sie ist die Hohepriesterin der Tareldar. Sie hat Visionen von der Zukunft, die sich in Prophezeiungen äußern. All diese, schreibt sie in das silberne Buch des Mondes. Von dort werden sie manchmal zum Buch der Orakel gesandt, das in den Mauern von Gulmin aufbewahrt wird, damit die Zauberer ihr bei der Deutung helfen.“
Elno brummte. „Nun, gut und schön. Ein Spitzohr das Stimmen hört! So ungewöhnlich finde ich das nicht. Aber was hat das mit unserer momentanen Situation zu tun?“ Nathaniel ersparte sich eine Zurechtweisung auf diese Bemerkung. Stattdessen bewegte er die Hand wieder und murmelte Worte. Das Bild in der Kugel wurde klarer und begann sich zu bewegen. Plötzlich klang in der Kammer die silberhelle Stimme der Elbin wieder. „Daerithron, ich brauche deine Hilfe. Eine Vision des Schreckens kehrt immer wieder in meine Trance zurück. Mit jedem Mal fällt es mir schwerer ihr Widerstand zu leisten. Ihr wohnt eine nie da gewesen Kraft inne. Das Böse, das sie durchtränkt, greift aus der Welt des Geistes in die Welt der Lebenden. Doch zeigte sie mir nicht nur die drohende Vernichtung Jandaras, so wie wir es kennen. Sondern auch einen Weg sie zu verhindern. Mehr traue ich mich nicht auf diesem Weg zu sagen, da ich befürchten muss, dass das Böse seine Macht mittlerweile auch bis zu uns ausstreckt.
Doch um eins bitte ich dich. Bringe bitte Melco und das Kind mit, das in eurer Obhut verweilt.“ 
Kaum waren die letzten Worte verklungen, verblasste das Bild, bis die Kugel wieder durchsichtig war.
Melco starrte noch immer auf die Kugel, als Elno lospolterte. „Ai, du großer Zauberer.“ Eine Verbeugung andeutend, zog er den Titel, der von der Elbin benutzt wurde, spöttisch in die Länge. „Du willst also, nur auf das Wort eines Spitzohrs hin, unsern Jungen durch Dor Ind nach Dor Menel bringen, um ihn den Händen dieser Dünnhäutigen auszuliefern? Das ist eine Reise von mindestens zwei Monaten.“
Odions Bass erklang. „Nicht nur das, er will auch Xenja mitnehmen. Für die Kleine ist diese Reise nicht ungefährlich. Schon allein wegen dem Abschaum der Nunambar der sich mittlerweile fast überall herumtreibt.“
„Ich werde zu ihr reiten. Ob nun mit oder ohne euch!“ Als Melco Stimme ertönte, wurde es schlagartig still. Nathaniel betrachtete seinen Enkel und lächelte wissend, als er sah, dass dieser noch immer nachdenklich auf die Kugel sah.
Arkan hielt seine Meinung darüber, nicht zurück. „Baw! Das ist nicht klug. Was sagt uns, das diese Nachricht wirklich von einer Hochelbin gekommen ist.“
Melcos Augen bohrten sich in die des Freundes. „Ich weiß es! Ich spüre, das diese Vana es ehrlich meint. Ihre Angst war echt. Außerdem sagt mir etwas, das da noch mehr ist. Und ich will wissen was!“
Odion schlug den Kopf seiner Axt auf den Steinboden, so dass ein klingender Ton die Aufmerksamkeit auf den Barbaren zog. „Nun, wenn du unbedingt reiten willst und du dir sicher bist, das wir dort eine Lösung finden werden, gut! Aber ich werde dich nicht mit diesem alten Zauberer allein reiten lassen. Schon gar nicht, wenn du Xenja mitnimmst.“ Seine Augen blitzten entschlossen, als er Melco fixierte. „Meine Axt wird dort sein, wo dein Zauber nicht hinreicht!“ Damit trat er einen Schritt vor und schlug sich mit der rechten Faust aufs Herz. Arkan nickte nur und Ithildae knurrte leicht, doch Elno fuhr sich fast verzweifelt durch seinen Bart. „Ins Land der Spitzohren also! Ai, ein Ritt in die Nunambar ist auch nicht schlimmer.“
So war es beschlossen. Als die Gefährten die Reisevorbereitungen besprachen, bemerkten sie nicht, wie sich Tara aus dem Schatten der Tür löste und zurück in ihre Kammer eilte, um Balthier zu unterrichten.

 

 

18.10.2009 15:51:19

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