Kapitel 2

 

 

Der Wind fuhr in seinen Umhang und bauschte den schwarzen Stoff, bevor er weiter floh. Fort aus der heißen Kupferwüste, trug der Wind ihre Hitze ein Stück weit in die Ebenen der Wildnis, der Hrava,  hinein. Melco zog sich die Kapuze tiefer ins Gesicht. Das Leder des Sattels knarrte als er sich zurück lehnte, um dem Lied des Windes zu lauschen. Der Wind erzählte von den Dünen aus rotbraunem Sand, die träge durch die Wüste wanderten. Von Tieren und Pflanzen die im immerwährenden Tanz des Lebens, ihre eigenen Melodien dem Wind mitgaben, damit dieser sie mit den Melodien anderer Wesen vereinen und eine unendliche Symphonie des Lebens komponieren konnte.

 

Die Augen schließend, genoss der junge Zauberer das Gefühl allein zu sein. Telpminasse, die silberne Stadt seine Mutter, war noch weit und Melco verspürte nicht die geringste Lust etwas daran zu ändern. So zog er weiter am Rand der Rusterume entlang und erlaubte seinem treuen Hengst die Gangart selbst zu bestimmen.
Ein plötzlicher Ruck brachte Melco fast aus dem Gleichgewicht und nur mit Mühe gelang es ihm im Sattel zu bleiben. Telpfaire war stehen geblieben. Ein Huf noch im Schritt erhoben, verharrte der Hengst und sog witternd die Luft in die weit geblähten Nüstern. Das Spiel der grauen Ohren, sowie das erregte Schlagen des Schweifs, veranlassten den Zauberer zu lauschen. Ein stechender und nur allzu vertrauter Schmerz, ließ ihn über die Narbe in seinem Gesicht streichen. Der Geruch von Tod und Schmerz lag im Wind. Wütend packte Melco die Zügel fester, hieb Telpfaire die Hacken in die Weichen und jagte der Wüste entgegen. Das gleichmäßige Hämmern der Hufe wurde dumpfer. Wo eben noch Gras im Wind wogte war nun nichts, als rostroter Sand und - Leichen.
Schlitternd brachte Melco sein Pferd zum halten. Geschockt glitt er aus dem Sattel und suchte sich vorsichtig einen Weg durch das Leichenmeer. Es waren mindesten fünfzig Tote. Sie gehörten alle dem Volk der Viandaner an und waren grausam zugerichtet. Die Wunden bestätigten den Schmerz in seiner Narbe. Hier hatten Geschöpfe der Finsternis gewütet. Orks, Gargoyels und Goblins beherrscht von Mordgier und schwarzer Magie. Der Schwefel war trotz der Unmengen an Blut noch gut zu riechen. Wer konnte ein Interesse daran haben, Viandaner abzuschlachten.
Noch dazu einfache Sandbauern? Sosehr Melco auch suchte, er fand nicht einen Krieger unter ihnen. Doch er fand etwas anderes. Neben einer Frau, deren Unterleib von einen grässlichen Wunde entstellt wurde, kauerte – ein Kind.
Die langen, Hasenähnlichen Ohren hingen schlaff am Kopf und das weiße Fell, das Ohren und Gesicht bedeckte, starrte vor Blut und Dreck. Behutsam, um das Kind nicht zu erschrecken, ging Melco in die Knie. Als er die Hand nach dem kleinen Gesicht ausstreckte, ruckte der Kopf nach oben und vor Schreck geweitete, wasserblaue Augen starrten ihn an.
„Hab keine Angst. Ich tue dir nichts.“ Sanft strich Melco die Tränen von den pelzigen Wangen. Das Zittern bemerkend, löste er seinen Umhang und hüllte den kleinen Körper darin ein. Die viel zu große Kapuze aus dem Gesicht wischend, blickte das Kind nun neugierig zu dem Zauberer auf.
„Ihr seit kein Nachtmahr, aber auch kein Wüstenkind.“ Die leise und helle Stimme überrumpelte Melco etwas, denn sie offenbarte, dass er ein Mädchen vor sich hatte.
„Das ist richtig. Ich komme von weit her und war auf dem Weg nach Hause. Mein Name ist Melco und das,“ dabei zeigte er auf Telpfaire, der sich einen Weg zu ihnen gesucht hatte und nun hinter dem Mädchen stand, „ist mein treuer Gefährte Telpfaire.“ Ehrfürchtig sah das Mädchen zu dem großen Hengst auf, der ihr mit seinem Maul sanft die Haare zerzauste. Den Tod um sie herum schien sie schon vergessen zu haben. „Er ist wunderschön und gut, genau wie ihr.“ Der Blick der Melco dabei traf, ließ ihn schlucken. Es lag Hingabe und Vertrauen in ihm. Beides waren Fesseln die er zu vermeiden suchte. 
Behutsam hob er das Kind hoch und trug es von den Leichen fort. Telpfaire folgte ihnen. An der Sandgrenze setzte Melco das Kind ab, strich ihm noch einmal über die weichen Ohren und wandte sich wieder dem Schlachtfeld zu. Bilder aus der Vergangenheit umspülte ihn. Er sah sich als Kind, mit blutendem Gesicht über seiner sterbenden Mutter stehen, in dem hoffnungslosen Versuch sie vor dem schwarzen Zauberer zu schützen. Was blieb waren die Selbstvorwürfe eines Achtjährigen, der sich die Schuld am Tod seiner Mutter gab, die Erinnerung an den Zauberer und die Narbe in seinem Gesicht.
Melco hob die Hände. Feuerbälle formend warf er sie auf die Toten, bis auch der Letzte von den Flammen verzerrt wurde. Das Mädchen beobachtete alles ruhig und fast teilnahmslos. Nur, als die Flammen ihre Mutter erfassten, zuckte sie zusammen und drückte das Heft eines Langdolchs, den sie unter ihren Kleidern versteckt hielt, fest an sich.
Schweigend standen der Zauberer und das kleine Viandaner Mädchen neben einander und gaben den Toden das letzte Geleit. Als der Letzte zu Asche zerfallen und vom Wind fort getragen worden war, hob Melco das Mädchen auf Telpfaire. Sich in den Sattel schwingend, nahm er das Kind fest in seine Arme. Als er spürte wie sich die Kleine in seine Umarmung schmiegte, wurde ihm warm ums Herz. Dieses kleine zarte Kind der Halbmenschen rührte in seinem Inneren an Gefühlen, die er nie zu haben glaubte. Den Umhang fester um den kleinen Körper ziehend wandte er sich seiner, so unverhofften, Reisegefährtin zu. „Du hast mir noch gar nicht gesagt wie du heißt.“ 
Aus den Tiefen des Umhangs drang ein leises Murmeln. „ Xenja.“
Telpfaire folgte dem leichten Schenkeldruck seines Herrn und wandte sich der Hrava zu. Die leichten Schritte des Hengstes wiegten Xenja in den Schlaf der Heilung.
Während die Drei den unsichtbaren Pfaden nach Telpminasse folgten, wurde im großen Flickenteppich des Lebens neue Schicksalsbande geknüpft. Der zarte und noch dünne Faden des Wüstenkindes, verband sich mit dem starken Strang des Zauberers und wob ein neues Muster, aus silberroten und silberblauen Fäden.
 
 
 
Xenja schmiegte sich tief in die dunkle Wärme der Decke. Auf ihrem Gesicht spürte sie die angenehme Hitze eines Feuers, das leise knisterte. Langsam öffnete sie die Augen. Vor ihr tanzten die hellen Flammen. Gebannt durch einen Kreis aus Steinen, gaben sie sanftes Licht und Wärme und doch begann Xenja leicht zu zittern. Sie sah wieder, wie die Flammen ihre Mutter verzehrten und sie gänzlich aus der Welt entfernten. Und mit dieser Erinnerung kamen auch all die anderen zurück und ließen sie schluchzen. Eine sanfte Stimme drang durch den Schmerz und ein starker Arm zog sie an einen großen Körper.
„Schschtt! Ganz ruhig. Es ist alles gut. Du bist in Sicherheit. Dir kann jetzt nichts mehr passieren.“ Melco zog das zitternde Kind dichter zu sich heran und begann es in seinen Armen zu wiegen. Dieses kleine und so zarte Leben musste schon so viel Tod erleben, dass es zu zerbrechen drohte. Leise murmelnd spann der junge Mann einen Zauber. Sanft legte sich der Schutzschild um ihn und das Kind und zwang somit die dunklen Erinnerungen, die Nachtmahre aus der Nähe des Wüstenkindes zu verschwinden. Xenja spürte wie ihr Körper sich zu entspannen begann. Ihre verkrampften Finger lösten sich und ließen das Heft des Langdolches los. Dumpf schlug er auf dem Boden auf. Die Klinge aus Mondstahl funkelte im Licht der Flammen. Melco griff vorsichtig nach der Waffe, hob sie hoch und drehte sie in der freien Hand um sie sich besser ansehen zu können. Ängstlich verfolgten wasserblaue Augen jede seiner Bewegungen.
„Eine wirklich schöne Arbeit. Der Schmied wusste um sein Können.“ Bewundernd, hielt der junge Zauberer die Klinge gegen das Licht. „Es scheint fast so, als sei das Licht in diesem Dolch selbst gefangen um dem Träger zu dienen.“ Behutsam legte er die Waffe, in die bittend ausgestreckten Hände des Kindes. „Es war die Waffe deines Vaters. Nicht wahr!?“
Xenja konnte nur nicken, da die Tränen ihr das Sprechen unmöglich machten. Melco, der den Schmerz des Mädchens spürte und verstand, versuchte ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken. Murmelnd bewegte er seine rechte Hand über dem Feuer hin und her. Die Flammen begannen zu tanzen. Sie wanden sich und formten langsam eine Wand aus gelbem Licht. Fasziniert beobachtete Xenja wie sich Bilder auf der leuchtenden Wand zu bilden begannen. Sie sah eine Stadt mit weißen Häusern und großen Türmen. Von einer hohen Mauer umschlossen, ragte sie auf einer Klippe empor. Am höchsten Punkt sah sie eine Festung, so silbern wie das Mondlicht und auf ihren Dächern wehten blaue Wimpel. Doch das was sie am meisten fesselte, war nicht die wunderschöne und strahlende Stadt. Es war das was sich unter dieser Stadt befand. Blau mit weißen Kronen, schoben sich Wellen ans Ufer und schlugen unter der Klippe gegen den Fels. Am Hafen dümpelten kleine Boote und Schiffe und über ihnen kreisten, silbergraue Vögel. 
Ehrfürchtig streckte Xenja eine Hand nach dem Bild aus. „Was ist das?“
Lächelnd legte Melco seine Hände über die des Kindes, um sie davon ab zu halten ins Feuer zu fassen. „Das ist meine Heimatstadt. Sie heißt Telpminasse. Das bedeutet silberne Stadt.“ Er versuchte mit den Augen des Wüstenkindes zu sehen und musste über sich selber wundern. Es gab da etwas das sie sicher unglaublicher fand, als weiße Mauern. „Sie liegt am Ufer des Alten Meeres, des Iauraearon.“
„Soviel Wasser!“ Leise, fast nur ein Hauch waren Xenjas Worte und berührten wieder eine verborgene Seite im Inneren des jungen Zauberers. „Ja, es ist sehr viel Wasser, doch kann man es nicht trinken.“
Ungläubig drehte Xenja den Kopf. Ihre Augen fixierten die des Zauberers. „Wasser, das man nicht trinken kann? Wieso, ist es giftig?“ Das Lächeln das sie daraufhin traf, war so warm, das sie sich schon sicherer fühlte. Liebevoll strich ihr Melco über das Gesicht. Das Fell war so weich. Er hatte noch nie einen Viandaner gesehen, der so jung war. Sie konnte nicht älter, als acht Jahre sein.
Den Gedanken, das sie damit so alt war wie er damals und das sich ihr Schicksal ähnelte, schob er schnell zur Seite. Damit konnte er sich noch zu gegebener Zeit befassen. Sanft antwortete er dem Kind, als er das Bild dazu brachte, sich zu verändern. Es zeigte nun das weite Meer. Nichts als blaue Wellen, mit weißen Kämmen. „Das Wasser kann nicht getrunken werden, da es salzig ist.“
„Wasser, das salzig ist?“ Skeptisch schüttelte Xenja den Kopf, wandte sich jedoch wieder dem Bild zu. „Es sieht so aus wie die Wüste. Nur blau.“ Ihre Augen verschleierten sich und Melco sah Tränen blitzen. Schnell veränderte er wieder das Bild. Diesmal zeigte es die große Festung. Die Sonne spiegelte sich auf der Marmornen Fassade und ließ sie erstrahlen. „Dies ist mein Zuhause. Es ist die Zauberer Feste Gulmin. Dort leben viele Zauberer und Magierinnen. Einige, sind nicht viel älter als du. Sie lernen dort alles über Magie und die verschieden Länder und Völker.“ Erleichtert stellte Melco fest, das er wieder Xenjas volle Aufmerksamkeit hatte.
„Hast du da gelernt wie man so schöne Bilder machen kann?“ Xenja beobachtete die kleinen Gestalten, die auf den Zinnen der Feste herumgingen. „Kann ich das auch lernen?“ Enttäuscht stellte sie fest, dass das Bild verblasste. Die Flammen zitterten noch kurz, bevor das Feuer wieder wie ein normales Feuer aussah. Die Stimme des Zauberers war fest und etwas lauter als zuvor. „Nun, vielleicht. Wer weis, lass mal sehn!“ Dabei drehte er Xenja zu sich herum, damit sie ihm nun direkt in die Augen sehen konnte. Behutsam legte er ihr beide Hände an die Schläfen. Mit den Fingerspitzen hielt er ihren Kopf und schloss die Augen. Gebannt hielt Xenja still. Sie wagte es nicht zu atmen und dann war es auch schon vorbei. Melco öffnete die Augen und ließ die Hände sinken. „In dir ist nur ein kleiner Funke Magie vorhanden, nicht genug um große Zauber zu bewältigen, aber sicher ausreichend für ein paar Tricks. Allerdings“, er hob die Stimme an und legte ihr einen Finger auf die Lippen, als er sah wie sie etwas sagen wollte. „Allerdings, hat es auch gewisse Konsequenzen wenn du dort leben möchtest. Da gibt es Regeln. Zum einen musst du dich immer in meiner Nähe aufhalten, oder wenn dies nicht möglich ist, so unauffällig wie möglich sein und auf die Worte der Erwachsenen hören. Sonst kann es passieren, dass sie dich dort rauswerfen und ich dich nicht mehr beschützen kann. Hast du das verstanden!?“ Heftig nickend, warf sie sich ihm an den Hals. „Ja, Melco. Ja! Ich werde alles tun was du sagst. Du wirst gar nicht merken, das ich da bin.“ Gerührt und etwas unsicher über dieses Zugeständnis ihre Zuneigung, schloss Melco sie vorsichtig in seine Arme. „Nun, dann werde ich es versuchen, aus dir eine stolze und gebildete Viandanerin zu machen.“ Behutsam drückte er sie von sich und auf die Decken zurück. Sorgsam stopfte er diese wieder um ihren Körper fest, bevor er sich erhob. „Du wirst jetzt schlafen. Telpfaire passt auf dich auf.“ Ängstlich sah Xenja zu ihm auf, blieb jedoch liegen. „Wo willst du hin?“
„Ich werde dafür sorgen, dass uns in den nächsten Tagen keine böse Überraschung droht.“ Dabei warf sich Melco seinen Umhang über die Schulter und zog die Kapuze über seinen Kopf. Xenja beobachte wie sich sein Gesicht augenblicklich veränderte. Es wirkte mit einem mal älter und entstellt. Er war wieder zu dem Nachtmahr geworden, vor dem sie in der Wüste Angst bekommen hatte. Nur dieses Mal blieb die Angst aus.
Als er sprach, war seine Stimme dunkler und rauchig. „Keine Angst, dir wird nichts geschehen. Ich bin bald zurück.“ Mit diesen Worten wandte er sich ab. Seine Umrisse verschmolzen mit der Dunkelheit und im nächsten Moment war er verschwunden.
Während Telpfaire über den Schlaf des Wüstenkindes wachte, war Melco auf der Jagd. Und überall erzitterten die Kreaturen der Finsternis vor dem Avathar, dem Schatten. Der Kreatur der Nacht, zu der Melco wurde, um die Mörder seiner Mutter zu suchen und zu töten.

 

 

Als Xenja am Morgen aufwachte, saß Melco am Feuer und goss gerade heißes Wasser in einen Becher. Augenblicklich war die Luft von einem würzigen Duft erfüllt, der Xenja hingerissen schnuppern ließ. „Was ist das?“ Erwartungsvoll setzte sie sich auf, als Melco zu ihr aufsah. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, als er mit einem kleinen Stab aus Steineiche im Becher rührte. „Dies ist ein Tee, den mir immer mein Großvater gegeben hat, wenn es mir schlecht ging. Er nannte ihn immer, den Tee der guten Laune.“ Aufmunternd  nickend, reichte er ihr den Becher. „Hier, trink. Aber Vorsicht, er ist noch heiß!“ Etwas zögernd nahm Xenja den Becher entgegen. Pustend hob sie ihn dichter an ihr Gesicht und sog den wohltuenden Geruch des Tees ein. Vorsichtig nahm sie den ersten Schluck. Die Augen vor Erstaunen weit geöffnet, trank sie noch einen und dann noch einen. „Der ist gut!“ Verzückt nahm sie noch einen Schluck, bevor sie Melco wieder ansah. „Schmeckt echt lecker. Danke!“
„Freut mich, dass er dir schmeckt. Du wirst sehen, bald geht es dir wieder besser!“ Aufstehend, nahm Melco seinen Becher und leerte ihn in einem Zug. Spülte ihn mit dem Wasser aus dem Kessel aus und steckte ihn, in eine seiner Satteltaschen. „Wir sollten uns langsam auf den Weg machen. Wenn du dich noch erleichtern musst, dann solltest du es jetzt tun. Essen können wir noch unterwegs.“ 
Xenja trank schnell ihren Tee aus und tat es Melco gleich, bevor sie ihm den Becher reichte. „Sind welche in der Nähe?“ Ihre Stimme war ängstlich und der Blick den sie ins Unterholz warf sprach Bände.
Melco, der wusste von wem sie sprach, strich ihr aufmunternd über das weiche Haar. „Nein, zumindest keine Lebenden. Trotzdem sollten wir nicht länger, als notwendig hier bleiben.“ Lächelnd zeigte er auf einen Busch. „Dort bist du ungestört, während ich alles zusammen packe. Aber beeil dich.“ Dabei wandte er sich bereits dem Feuer zu um es mit dem restlichen Wasser zu löschen. 
Xenja wollte erst etwas zu dieser Wasser Verschwendung sagen, beließ es jedoch bei einem Achselzucken und verschwand in den Büschen. Als sie fertig war, saß Melco bereits im Sattel. Eilig lief sie zu ihm, um sich von ihm aufs Pferd heben zu lassen.
Als ihr der Zauberer einen Kanten dunklen Brotes reichte, merkte sie erst wie hungrig sie war. Gierig schlang sie die ersten Bissen in sich hinein, bevor sie etwas langsamer weiter aß. So teilten sie sich während des Ritts Essen und Trinken und Xenja merkte gar nicht wie die Zeit verging, da sie auch immer mehr von ihrer Umgebung gefesselt wurde.
Soweit das Auge reichte war Gras. Die langen Halme neigten sich leicht im Wind
und leuchten in den schönsten Grüntönen, die Xenja je gesehen hatte. Staunend sog sie jede Kleinigkeit ein wie ein Schwamm und bemerkte kaum wie ihr Melco das restliche Brot aus den Händen nahm, um es wieder in seinen Beutel zu stecken. Das Lächeln, das dabei über sein Gesicht glitt, war ihm selbst nicht bewusst.
Doch die größte Überraschung wartete noch auf das Wüstenkind.
Melco lenkte sein Pferd zu einem kleinen Wäldchen, das sich an den Hang eines Hügels lehnte. Behutsam setzte der große Hengst seine Hufe im dichten Unterholz und bahnte sich so einen Weg ins kühle Innere.
Xenja verrenkte sich fast den Hals um die Wipfel der Bäume sehen zu können. Das dunkle Grün schmeichelte ihren, an Sonne und Helligkeit gewöhnten, Augen. Neugierig setze sie sich aufrecht hin und spähte zwischen die grauen Ohren des Hengstes nach vorn. Die Baumkronen lichteten sich. Sonnenlicht drang bis zu ihnen vor und spiegelte sich auf einer blauen Fläche, die das Licht in tausend kleinen Blitzen zum Himmel zurück sandte. Melco zügelte den Hengst und ließ Xenja behutsam zu Boden gleiten, bevor er selbst abstieg. 
Xenja stand wie erstarrt. Ihr Blick wurde förmlich von der spiegelnden Wasserfläche aufgesogen. Nie hatte sie geglaubt einmal so viel Wasser auf einmal zu sehen. Gut, Melco hatte ihr Bilder gezeigt, aber dies war doch etwas völlig anderes. „Ist das eine Oase? Eine Oase, in einer Wüste aus Gras?“
Ihre Vergleiche gefielen ihm. Sanft schob er sie zum Ufer. „Dies ist ein See. Ein ziemlich kleiner See, aber immerhin wird er reichen um dich zu Baden.“
Xenja fuhr vor ihm zurück, als hätte er sie gebissen. „Baden? Heißt das ich soll da rein?“ Panik stand in ihrem Gesicht, als sie zu ihm herumwirbelte. „Viandaner, baden nicht! Das geht nicht! Außerdem ist das da, überhaupt nicht klein!“
Melco betrachtet sie nachdenklich. Die Arme vor der Brust verschränkt, wurde sein Blick erst hart, bevor sich ein amüsiertes Funkeln in ihn schlich. „Also wie ich das sehe, stinkst du nach Orks, Schweiß und Dreck. Und wenn ich dich weiter mit nehmen soll, wirst du dich waschen müssen. Wenn nicht Freiwillig, so helfe ich entweder nach, oder aber ich lasse dich hier.“ Melco lehnte sich lässig an Telpfaire, als er auf ihre Reaktion warte. „Die Entscheidung liegt bei dir!“
Nein, alleine bleiben wollte sie nicht. Aber ins Wasser? Unschlüssig haftete Xenjas Blick auf dem See, glitt dann zu Melco um dann wieder auf dem See hängen zu bleiben. Seufzend streifte sie ihre Tunika und ihre Hosen ab. Im Unterhemd vor ihm stehend, sah sie Melco herausfordernd an. „Nun gut, aber nur, wenn du dich auch wäscht. Du stinkst wie eine Herde Tawlavan!“
Dass sie ihn, mit diesen riesigen, wollenen Pflanzfressern verglich, amüsierte ihn nun doch. „Du meinst also, ich sei ein Tawlavan?“ Behände glitt er aus seinen
Kleidern und stand plötzlich nur noch in Hosen da. „Hm, ich glaube, das schreit nach Rache.“ Schnell, noch bevor Xenja reagieren konnte, hatte er sie hoch gehoben und ins Wasser geworfen.
Prustend und um sich tretend kam sie wieder an die Oberfläche, um sofort von zwei kräftigen Händen mit Seife geschrubbt und wieder eingetaucht zu werden. Es dauerte nicht lange und Xenjas anfängliche Scheu verflog. Nun selbst zum Angriff übergehend, fing sie nun ihrerseits an, den Zauberer einzuseifen.
Das silberhelle Lachen des Kindes vermischte sich mit dem dunklen des Zauberers und erfüllte die Luft mit der freudigen Musik des Lebens.
Als sie später erschöpft im Gras lagen, um sich von der Sonne trocknen zu lassen, schmiegte sich Xenja an den festen Leib des Zauberers. Sie spürte seine Wärme, seinen wohltuenden Herzschlag und fühlte sich so geborgen, wie schon lange nicht mehr.
In den darauffolgenden Tagen wuchs die Zuneigung zwischen den Beiden genauso schnell, wie sie sich ihrem Reiseziel näherten. Melco besserte, mit einigen kleinen Zaubern, Xenjas Kleidung aus und lehrte sie alles, was er über die Hrava, der Wildnis wusste. Xenja hingegen hing an Melcos Lippen, wie eine Ertrinkende und sog alles ein, was er ihr an Wissen preisgab. Dabei ritt sie entweder vor oder hinter ihm im Sattel. Oft liefen sie auch neben einander her, wenn sie Telpfaire eine Pause gönnten.
Der Hengst war für Xenja das schönste Geschöpf, das sie je gesehen hatte. Sonst nur von Mallanaras und Tawlavan umgeben, kannte sie Pferde nur vom Sehen. Und diese waren die schlanken und schnellen Mallanroch, der Suriona gewesen. Diese Krieger der Windkinder, Surhena, waren einige male in ihrem Lager gewesen um mit ihrer Sippe Handel zu treiben. Doch so dicht war sie noch nie einem Pferd gewesen. Telpfaire ähnelte diesen Pferden auch kaum. Er war kräftiger und sein anmutig gebogener Hals ging in einen wunderschönen Kopf mit großen, klugen Augen über.
Sein Körper war eher quadratisch, als so langgestreckt wie die Mallanroch. Und doch schien er schneller, als diese Wüstenrenner zu sein. Noch nie hatte sie so sehr das Gefühl zu fliegen, wie auf dem Rücken dieses Hengstes. Wie ihr Melco erklärte, gehörte Telpfaire, was so viel wie silberner Geist bedeutete, der Rasse der Ipanthroch an. Diese langlebigen Pferde wurden auch Laurroch, ursprüngliches Pferd, genannt. Sie wurden nur von den Elben gezüchtet und seien die intelligentesten Pferde in ganz Jandara. Diese Pferde würden nie an Menschen verschenkt oder verkauft werden.
Als Xenja daraufhin fragte, wieso er dann eines besaß, wo er doch ein Mensch sei, lachte Melco.
„Ich bin nur zum Teil ein Mensch. Meine Mutter hieß Aura, sie war nicht nur ein Mensch, sondern auch eine Priesterin im Tempel Telposto. Dieser Tempel ist der Göttin des Lichts geweiht. Sie starb, als ich so alt war wie du.
Meinen Vater habe ich nie kennengelernt. Er war, ist, ein Krieger der Elfaron. Das ist ein Stamm der Elben.“
Ehrfürchtig sah Xenja zu ihm auf. In ihrem Blick lag etwas, das Melco erschauern ließ und er wusste nicht ob ihm gefiel was er da sah. Ihre Stimme war leise, fast wie ein Hauch. „Ein Halbelb. Einer der Unsterblichen!“
Telpfaires plötzliches Kopfschütteln, brachte Xenja fast aus dem Gleichgewicht. Dabei klang sein Schnauben so, als wolle er ihr damit deutlich machen, dass ihre Äußerung unpassend war. Melco hatte sich etwas versteift, als er dem Kind antwortete. „Elben sind nicht wirklich unsterblich. Sie können genauso getötet werden wie alle anderen Völker auch. Das einzige, was sie von Viandanern und Menschen unterscheidet, ist ihre unglaubliche Langlebigkeit. Ich kenne Elben, die schon zweitausend Jahre alt sind, aber nicht älter aussehen als ich.
Nun, ich kann dir nicht sagen, ob und wann ein Elb aus Altersschwäche stirbt, aber ich weis, das sie es eines Tages tun werden. Und wenn es erst in Tausenden von Jahren ist. Irgendwann werden auch sie von dieser Welt verschwinden.“
Nachdenklich strich Xenja, über Telpfaires dichte schwarze Mähne. „Also sind Elben nicht Unsterblich, sondern nur Unglaublich alt!?“
Melcos herzliches Lachen, klang befreiend in ihren Ohren. „Ja, genau. Aber lass das bloß keinen Elben hören. Ich glaube sie lieben es, unsterblich genannt zu werden.“
Doch Xenja war mit ihren Überlegungen noch nicht zu Ende. „Gut, dann bist du, als Halbelb langlebiger als ein Mensch, aber wirst nicht so unglaublich alt wie ein Elb.“
Liebevoll wuschelte Melco durch ihr langes Haar. „Deine Überlegung gebietet eine gewisse Logik, und doch ist sie nicht ganz richtig. Ich bin zwar zur Hälfte ein Mensch, aber auch ein Zauberer.“
„Und was heißt das schon wieder?“ Xenja verzog das Gesicht. Sie fühlte sich unglaublich dumm.
„Nun, das bedeutet, das ich durchaus reale Chancen habe, das Alter eines Elben zu erreichen. Zauberer werden nämlich sehr alt. Älter als jedes andere Volk der Menschen und Viandaner.“ Amüsiert bemerkte Melco, wie Xenja trotzig ihr Kinn vorschob und die Arme über der Brust verschränkte. „Na schön. Dann lebst du halt lange. Und ich eben nur etwa fünfzig Trockenzeiten. Das macht mir nichts aus. Gar nichts.“ Ihre Stimme wurde leiser, sie brach. „Es macht mir nichts aus. Umso schneller bin ich bei Mama und Dado, in Ladamar.“
Liebevoll nahm Melco das zitternde Kind in seine Arme und drückte es fest an sich.
Er wollte gerade etwas sagen, als Telpfaire im Schritt verhielt und die Ohren spitzte.
In der Ferne war ein leises Grollen zu hören das immer lauter wurde. Etwas kam auf sie zu!
Schnell hob Melco Xenja hoch und setzte sie hinter sich. Sein Schwert ziehend, legte er es sich über die Knie. Wobei er seinen Umhang über Xenja warf. Sofort reagierte die Magie des Umhangs und ließ Xenja förmlich mit Melco verschmelzen, machte sie unsichtbar.
Gebannt beobachte Melco den Horizont. Da stieß Telpfaire ein herausforderndes Wiehern aus, das von einem anderen, entfernteren erwidert wurde.
Schon kamen sie über die Hügel. Zwanzig Reiter auf riesigen Pferden donnerten in vollem Galopp den Hügelkamm hinunter, auf sie zu.
Melco entspannte sich und steckte sein Schwert zurück in die Scheide. Was Xenja nicht unbedingt beruhigte. Eher im Gegenteil. Ängstlich zog sie Melcos Umhang  fester um sich und spähte an seinem Rücken vorbei nach vorn. Solche Menschen hatte sie noch nie gesehen. Sie war sich nicht einmal sicher, dass das überhaupt Menschen waren.
Sie waren alle von hünenhafter Gestalt und trugen massige Muskelpakete zur Schau. Auf ihren Rücken konnte sie mächtige, doppelschneidige Äxte erkennen und ihre Kleidung aus Leder und Fellen, machte sie auch nicht vertrauenswürdiger. Und dann ihre dunkle Haut. Ihre Augen und Zähne wirkten dadurch nur noch unheimlicher auf sie.
Doch was Xenja wohl am meisten verschreckte, waren die Pferde. Neben ihnen wirkte Telpfaire wie ein Fohlen. Die massigen Leiber auf den riesigen Hufen, waren beängstigend. Wenn so ein Pferd einmal zutrat, würde es sicher Knochen zermalmen.
Xenja kroch noch tiefer in die Falten des Umhangs, als ein Reiter sein Pferd dicht an Telpfaire heranbrachte. Der Rappe überragte den Grauen um fast die Hälfte und zwang so, Melco den Kopf in den Nacken zu legen um seinem Reiter in die Augen sehen zu können. Doch schien das weder Melco noch dem Grauen etwas auszumachen.
 „Aiya, mein Freund. Schön dich wieder zu sehen.“ Melco streckte dem Reiter seine Hand entgegen. Das derbe Lachen des Riesen ließ seinen langen Schnauzbart beben. „Aiya? Sagt bloß ihr habt vergessen wie sich Barbaren begrüßen? Herr Zauberer!“
Mit diesen Worten ergriff der Riese Melcos Unterarm und drückte zu. Der junge Zauberer spürte den harten Griff, zuckte jedoch nicht zurück. Fest erwiderte er die derbe Begrüßung, achtete jedoch darauf, dass er sein Gleichgewicht behielt und Xenja weiterhin für den Riesen unsichtbar blieb.
Diese zuckte zusammen. Dies waren also die Barbaren. Das war das Volk, zu denen ihre Sippe unterwegs gewesen war. Eine unbestimmte Angst breitete sich in ihrem Herzen aus. Warum sollte ihre Sippe zu diesen Riesen unterwegs gewesen sein? Stand etwa die Vernichtung ihres Stammes irgendwie damit in Verbindung?
Still krallte sie sich in Melcos schwarzen Lederharnisch. Ihr viel das Atmen auf einmal so unglaublich schwer. Tränen drückten gegen ihre Augen und ein Schrei wollte aus ihren verkniffenen Lippen fliehen.
Melco spürte die aufsteigende Panik des Kindes und versuchte sie wieder zu beruhigen. Vorsichtig hüllte er sie in einen Zauber.
 „Odion, so sehr du auch versuchen magst, etwas daran zu ändern. Ich bin ein Zauberer und werde es immer sein.“
Lachend schlug Odion, Melco auf den Rücken. „Ja, das ist wohl so. Schade, aber….“ Ein erschrecktes Keuchen und plötzlich purzelte ein weiß buntes Bündel vor die Hufe von Odions Rappen. Dieser blieb wie angewurzelt stehen und zuckte nicht mal mit einem Muskel, als Xenja unter ihm zu liegen kam.
Melco hatte sich nicht ganz so gut im Griff. „Xenja!“ Telpfaire tänzelte schnell zur Seite um einen Abstand zwischen sich und dem Rappen zu bekommen. Dieser hatte inzwischen seinen massigen Schädel gesenkt, um sich das kleine Bündel etwas genauer anzusehen, was da unter seinem Bauch kauerte und vor Panik erstarrt war.
Odion war abgestiegen und hockte sich neben seinen Hengst. Den Kopf etwas zur Seite geneigt, zwirbelte er mit den Fingern seinen Bart. „Ja, hallo. Wen haben wir den hier?“
Zitternd starrte Xenja den dunklen Riesen an, um dann Melco hilfesuchend an zu sehen. Dieser hatte sich wieder entspannt und sich lässig auf Telpfaires Hals gestützt. Er schien keine Anstalten machen zu wollen ihr zu helfen.
Sicher, das Melco sie nie einer Gefahr aussetzen würde und von diesem kindlichen Vertrauen gestärkt, entspannte sie sich etwas. Neugierig wandte sie sich wieder dem Riesen zu. Dieser ließ die ungenierte Musterung, mit einem Grinsen über sich ergehen.
Xenja ließ sich Zeit. So jemanden wie ihn hatte sie ja schließlich noch nie gesehen. Wie alle anderen der Gruppe war auch er in Leder und Fell gekleidet, wobei er auch ein Fell über den Schultern trug. Schulterplatten aus Leder und Eisen, blitzten unter ihm hervor. Das Gesicht, war bis auf den langen und dünnen Bart auf der Oberlippe Bartlos. Seine Haare waren kurzgeschoren und die dunklen Augen blitzten amüsiert, während sich der Mund zu einem gutmütigen Lächeln verzog.
„Hey, du Zwerg. Wolltest du uns zu Tode erschrecken?“ Die dunkle Stimme erinnerte Xenja an einen Bären. Dies und seine entspannte, freundliche Art, nahm sie für ihn ein und doch, einen Zwerg durfte sie niemand nennen.
Wütend blitzten ihre Augen, als sie ihre Arme vor der Brust verschränkte. „Ich bin kein Zwerg. Nur weil du so groß bist bin ich noch lange nicht klein! Ich bin acht Trockenzeiten alt. Außerdem hättest du mich fast erschlagen und Melco den Rücken gebrochen. Du riesiger Grobian!“
Lachend hob Odion die Hände. „Wow, wow. Immer langsam. Aber du hast recht, verzeih. Wie unhöflich von mir.“ Behutsam streckte er seine Hände zu ihr aus. „Darf ich der jungen Kriegerin wieder aufs Pferd helfen?“
Nickend kroch Xenja auf ihn zu und ließ es widerstandslos geschehen, das er sie wider auf Telpfaires Rücken setzte. Sofort drückte sie sich an Melcos Rücken, behielt aber Odion weiter im Blick der wieder auf sein Pferd stieg. „Woher kennst du diese Barbaren?“
Über Melcos Gesicht glitt ein Lächeln. „Sagen wir es einmal so. Odion glaubte einmal, das er es allein mit einer Horde Orks aufnehmen könnte. Und er hatte sich dabei etwas überschätzt.“
Schnaubend richtete sich Odion im Sattel auf. „Pah, verschätzt! Wenn sie mir nicht so hinterrücks die Beine gebrochen hätten, hätte ich die Letzten auch noch allein geschafft.“
Xenja hing neugierig an den Lippen des Barbaren. „Wie viele waren es den?“
„Dreißig! Dreißig lächerliche Orks haben noch gelebt und da kommt dieser Möchtegern Zauberer und vermasselt mir alles.“
Ehrfürchtig schaute Xenja von einem zum anderen. „So viele? Und die hat Melco allein getötet?“ Odion lachte auf. „Der? Nein. Den Spaß hätte ich ihm nicht gegönnt.“
Grinsend ergriff Melco das Wort. „Er hat bis zum Schluss gekämpft. Und zu erwähnen sei, das er, als ich dazu kam, schon zwanzig allein getötet hatte.“
Xenja schwirrte der Kopf. Fünfzig Orks, von nur zwei Männern getötet. Gut, der eine war riesig und der andere ein Zauberer, aber trotzdem.
Tränen füllten ihre Augen, als sie begriff, dass ihre Familie noch leben könnte wenn sie die Hrava schneller erreicht hätten. Wenn die Horde der Brut nur etwas später angegriffen hätte.
Odion bemerkte die Tränen und sah die hängenden Ohren. Etwas in ihm begann zu begreifen. Diese Fellfarbe, war bei Viandanern nicht üblich, was nur einen Schluss zu ließ. Leise fragte er das Kind, obwohl er die Antwort bereits ahnte. „Was ist kleine Kriegerin?“
Schniefend sah sie auf und begegnete dem gütigen Blick des Riesen. „Wenn wir schneller gewesen wären, dann wäre meine Sippe noch am Leben. Ihr hätte die Orks und Goblins leicht besiegen können. Mein Dado war doch nur ein Sandbauer. Er hat vorher nie gekämpft.“ Mit jedem Wort wurde ihre Stimme leiser.
Odion tauschte schnelle Blicke mit seinen Gefährten, bevor er sich wieder dem Wüstenkind zuwandte. „Wie hieß dein Dado, Kleines?“
Xenjas Worte waren Tränen erstickt und kaum zu verstehen. „Xenso. Xenso vom Stamm der Lorin.“ Tränenschleier machten sie blind. Daher entgingen ihr die vielsagenden Blicke die die Barbaren und der Zauberer tauschten. Sich räuspernd strich Odion, Xenja über den Kopf. „Keine Angst, Kleines. Ab heute wird kein Ork es mehr wagen, auch nur in deine Richtung zu schauen.“
Sich die Tränen aus dem Gesicht wischend, sah sie zu dem Riesen auf. „Du wirst uns begleiten?“ Die Hoffnung in diesen Worten, ließ Odion schlucken. Dieses Kind hatte sein Herz im Sturm erobert. Lächelnd, strich er ihr über die Wangen. Sein Blick suchte den von Melco. „Ja, ich werde mit euch reiten.“
 

 

 

18.10.2009 15:43:53

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